Deutsche Sprache, schwere Sprache – warum ist Deutsch so schwer zu erlernen?

Deutsche Sprache, schwere Sprache – warum ist Deutsch so schwer zu erlernen?

Es ist der Satz mit dem deutsche Muttersprachler die Herausforderung und Abneigung anerkennen: „Deutsche Sprache, schwere Sprache“ und dieser haftet der am häufigsten gesprochenen Muttersprache Europas an. Aber stimmt es denn, das Deutsch so schwer zu erlernen ist und das andere Sprachen wesentlich einfacher sind?

Um es auf den Punkt zu bringen: Beim Erlernen der deutschen Sprache gibt es wie bei allen anderen auch, die „schweren“ und „leichten“ Elemente. Was die persönliche Praxis angeht, wenn es um das Erlernen von Fremdsprachen geht, so hängt dies von dem speziellen sprachlichen Background ab. Wer z.B. ein wenig Latein beherrscht oder eine slawische Sprache spricht, dem erscheinen die vier Fälle nur halb so wild.

Wissenswert!

Mark Twain war kein Fan der deutschen Sprache. Er beschrieb die Schwierigkeiten, auf die er während des Erlernens der deutschen Sprache stieß mit einem ironischen Artikel, der die Überschrift trug: „The Awful German Language“ (die furchtbare deutsche Sprache). Er schrieb, dass es keine andere Sprache gibt, die „so schludrig und systemlos und gleichzeitig so schlüpfrig und schwer zu fassen ist“ wie die deutsche.

Die Frage des Geschlechts!

Englische Muttersprachler sind z.B. nicht vertraut mit dem Geschlecht der Substantive. Universell wird „the“ in der englischen Sprache für alle Nomen verwendet, während es im deutschen gleich drei grammatikalische Geschlechter gibt: männlich, weiblich, sachlich (Neutral). In der deutschen Sprache hat jedes Substantiv ein Geschlecht: das Messer, die Gabel und der Löffel.

Auf den ersten Blick erscheint dies sinnvoll, aber auf den zweiten problematisch. Während „das Mädchen“ neutral ist, ist „die Spitzhacke“ weiblich. Wer die deutsche Sprache lernen will, der muss daher zuerst das Geschlecht erlernen. Viele der Sprachschüler sehen dies als umständlich an. Doch es gibt Eselsbrücken: Wörter die mit -ich oder -ling enden, sind im Allgemeinen männlich.

Nicht nur die Aussprache ist schwierig, sondern auch die schriftliche Darstellung.

Deutsche Umlaute – für nicht Muttersprachler ein lästiges Phänomen

Die Umlaute gehören in der deutschen Sprache zu einem lästigen Phänomen, zumindest wenn diese aus der Perspektive eines Nicht-Muttersprachlers betrachtet werden.

Besonders diejenigen die Deutsch lernen fragen sich oft, „Was sind Umlaute“ und wofür sind diese gut.

Hier ein Beispiel: Saugen und säugen! Wenn es nicht gerade darum geht, dass ein kleines Kalb bei der Mutter am Euter nuckelt, sondern um den Wohnungsputz, dann ist der Umlaut absolut fehl am Platz.

Im Niederländischen zum Beispiel gibt es die Schnörkel auf den Vokalen nicht, sondern diese Zeichen kommen z.B. als Aktenzeichen vor. Zudem geben sie an, wie auch im französischen, dass zwei aufeinanderfolgende Vokale getrennt gesprochen werden, wie z.B. Citroën, egoïstisch. Bei den Zeichen handelt es sich um das „Trema“, die im übrigen ebenso aussehen wie die Pünktchen über den deutschen Umlauten. Aber auch andere Nationalitäten tun sich damit schwer, wie die Spanier.

Fälle und Deklinationen – vier grammatische Fälle

Es gibt in der deutschen Sprache vier grammatikalische Fälle: Nominativ, Akkusativ, Dativ und Genitiv. Von der Funktion des Wortes wird der Fall bestimmt und dieser wiederum bestimmt den zu verwendbaren Artikel. So wird „das Mädchen“zu „dem Mädchen“ (Dativ), wenn diesem etwas gegeben wird und es zum Objekt wird, welches das Geschenk erhält. „Ein hübsches Mädchen“ heißt es im Akkusativ.

Wer noch keine Übung hat, für den können diese Fälle schnell verwirrend wirken. Doch jeder der bereits mit Latein (sieben), Russisch (sechs) oder einer slawischen Sprache Bekanntschaft gemacht hat, der weiß darum Bescheid. 

Die Reihenfolge der Wörter

Die deutsche Sprache ist dafür bekannt, den Hörer bis zum Ende eines Satzes zappeln zu lassen. So steht das zweite Verb im Satz am Ende. Zudem gibt es gewisse Konjunktionen (zumeist weil) die das Verb ans Satzende verbannen. Zudem haben Verben eine Gewohnheit – sie reihen sich am Ende der Sätze auf und vor allem dann, wenn in der Vergangenheit gesprochen bzw. geschrieben wird. Wer erst einmal mit dem deutschen Rhythmus vertraut ist, für den wird die Reihenfolge der Wörter schnell zu einer natürlichen Sache.

Das deutsche Plural

Es tut weh, aber dennoch ist es unvermeidbar. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Pluralendungen, während im Englischen einfach ein „s“ angehängt wird, um die Mehrzahl zu definieren. Aber wie gesagt – selbst im Englischen ist es nicht immer ganz so einfach: „children“, „men“ und „sheep“. Das sind nur drei der zahlreichen Ausnahmen, die es bei der Pluralbildung im Englischen gibt.

Alles halb so wild? Es gibt vieles was das Erlernen angenehm 

Im Deutschen wird im Gegensatz zum Englischen und Französischen das gesprochen, was gelesen wird. Wer die deutsche Aussprache lernen will, der muss wissen, dass alle Silben im Deutschen ausgesprochen werden. Daher ist es einfach, Fernsehsendungen, Gespräche und Lieder in deutscher Sprache gut zu verstehen.

Viele Ausdrücke werden denjenigen die bereits eine andere germanische Sprache beherrschen oder auch Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, Niederländisch oder Englisch, bekannt bzw. vertraut vorkommen. Der Grund ist, dass 97 der 100 meistgenutzten Wörter im Englischen germanischen Ursprungs sind.

Ist Deutsch nun schwer zu erlernen oder nicht?

In der deutschen Sprache gibt es einige Elemente, die einfach zu erlernen sind, andere wiederum weniger einfach. Dies ist jedoch abhängig vom persönlichen Empfinden, was leicht und was als schwer verstanden wird. Eines steht auf jeden Fall fest: Wer vollständig in die Sprache eintaucht, der hat mehr Spaß beim Erlernen der deutschen Sprache und es fällt ihm leichter.

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